Blog · 21. September 2026
Regallücken im Nahversorger: Warum sind sie anders, und wie hält man sie mit einem kleinen Team?
Kurz gesagtIm Nahversorger kommt der Kunde oft, kauft wenige Produkte und hat kein Ausweichregal: Eine Lücke bei Brot, Milch oder Kaffee sehen dieselben Kunden mehrmals pro Woche. Mit einem Team von zwei bis sechs Personen passt die Methode in vier Regeln: eine kurze Liste der Produkte, die nie fehlen dürfen (dreißig bis fünfzig Artikel), ein Bestellpunkt, der auf die nächste Lieferung und nicht auf den Durchschnitt ausgelegt ist, ein Nachfüllen am späten Nachmittag vor der Abendspitze und die Erfassung der verlangten und fehlenden Produkte im Lauf des Tages. Der Marktleiter hält das alles selbst; er kann sich nicht auf ein schweres Dashboard stützen.
Was sich in der Größe eines Nahversorgers ändert
Die Studien zu Regallücken betreffen vor allem große Flächen: die durchschnittlichen 8,3 % von Gruen, Corsten und Bharadwaj oder die 7 bis 10 %, die iXtenso für den deutschen Lebensmittelhandel nennt, beziehen sich auf Supermärkte und SB-Warenhäuser. Im Nahversorger wiegen vier Unterschiede:
- Der Kunde kommt sehr oft, manchmal täglich, für wenige Produkte. Eine wiederholte Lücke bei einem davon wird persönlich genommen (Regallücken und Kundentreue).
- Es gibt keinen Ersatz: eine einzige Milchgröße, ein oder zwei Kaffeemarken. Fehlt das Produkt, ist der Verkauf verloren statt ersetzt.
- Das Lager ist winzig: Der Bestand steht im Regal oder existiert nicht. Das Facing dient als Bestand (Facing und Regalkapazität).
- Die Lieferungen sind seltener, und Mindestbestellmengen pro Karton belasten Langsamdreher.
Dafür kennt der Marktleiter seine Kunden, sieht sein Regal mehrmals am Tag und kann schnell handeln.
Die vier Regeln
1. Die Liste der Produkte, die nie fehlen dürfen
Dreißig bis fünfzig Artikel, die die tägliche Frequenz ausmachen: Brot, Milch, Eier, Butter, Kaffee, Wasser, einige Drogerieartikel, Zeitungen oder Tabak, wo geführt. Sie erhalten eine einzige Anweisung: Bestellpunkt und Facing sind so eingestellt, dass sie bis zur nächsten Lieferung reichen, auch an einem Samstag. Beim restlichen Sortiment ist eine gelegentliche Lücke hinnehmbar.
2. Ein Bestellpunkt, ausgelegt auf die nächste Lieferung
Auf großer Fläche berechnet sich der Bestellpunkt aus Lieferfrist und Sicherheitsbestand (automatische Bestellung und Regallücken). Im Nahversorger, mit zwei oder drei Lieferungen pro Woche, ist die Frage einfacher: „Reicht es bis zur nächsten Lieferung, den stärksten Tag mitgerechnet?” Für die Produkte der Liste muss die Antwort bei jeder Bestellung ja sein.
3. Nachfüllen vor der Abendspitze
Die Spitze im Nahversorger liegt am Tagesende. Eine Nachfüllrunde gegen 17 Uhr bei den Produkten der Liste, auch nur zehn Minuten, vermeidet die Lücken im Zeitfenster 18 bis 20 Uhr, dem am stärksten besuchten und sichtbarsten (Nachfüllen organisieren).
4. Die Erfassung der unerfüllten Nachfragen
Ein Heft oder eine Notiz auf dem Telefon, vom ganzen Team geführt: Jedes Mal, wenn ein Kunde nach einem fehlenden Produkt fragt, wird das Produkt notiert. Am Ende der Woche sagt die Liste, was mehr zu bestellen ist, was zu listen ist und was nie mehr fehlen darf. Das ist die Nahversorger-Version des in Regallücken-Dashboard beschriebenen Dashboards, ohne Software.
Was man nicht tun sollte
- Aus Angst vor der Lücke überbevorraten: Der Platz fehlt, kurze Daten rotieren schlecht, Abschriften fressen die Marge. Bei Frischeprodukten ist der Kompromiss zwischen Lücke und Abschrift derselbe wie auf großer Fläche, beschrieben in Frischeabteilung: Regallücken reduzieren, ohne die Abschriften zu erhöhen.
- Auf den Buchbestand zählen: Im Nahversorger ist er oft schlechter geführt als anderswo (schneller Wareneingang, nicht erfasster Bruch). Der Blick aufs Regal ist besser als der Bildschirm.
- Alle Artikel gleich behandeln: Die Liste der Produkte, die nie fehlen dürfen, ist gerade dazu da, den Aufwand zu bündeln.
Ein Rechenbeispiel (hypothetisch)
Nehmen wir einen fiktiven Nahversorger mit 250 m², 2.500 Artikeln, drei Lieferungen pro Woche, vier Personen. Der Marktleiter erstellt eine Liste von 40 Produkten, die nie fehlen dürfen, und notiert zwei Wochen lang die unerfüllten Nachfragen: 38 Nachfragen, davon 22 bei Produkten der Liste, konzentriert auf Milch, Toastbrot, Kaffee und Windeln, fast alle zwischen 18 und 20 Uhr. Er vergrößert das Facing dieser vier Produkte, fügt eine Nachfüllrunde um 17 Uhr hinzu und bestellt Windeln zu zwei Kartons statt einem. Die unerfüllten Nachfragen der Liste sinken auf eine Handvoll pro Woche. Die Größenordnung ist realistisch; die Zahlen sind beispielhaft.
Was die Meldung durch Kunden ändert
Im Nahversorger führt der Kunde, der mit RegalAlarm ein fehlendes Produkt meldet, das Heft anstelle des Teams, auch wenn es allein an der Kasse steht. Der Marktleiter erhält die Liste der verlangten und fehlenden Produkte, ohne sie notiert zu haben, und sieht, welche Produkte Woche für Woche wiederkehren. 14 Tage testen, ohne Zahlungskarte: den Tarif für Filialleiter ansehen.
Quellen
- Gruen, Corsten, Bharadwaj, „Retail Out-of-Stocks: A Worldwide Examination”, GMA, 2002: vollständige Studie (PDF).
- iXtenso, Regallücken im deutschen Lebensmittelhandel: Out-of-Stock: Wenn das Regal leer bleibt.
- Corsten, Gruen, „On Shelf Availability”, 2004: Zusammenfassung.